Permakultur: Mein Einstieg
Als Übergangsgeneration zwischen Millennial und Generation Z wurde ich früh mit Schlagworten wie Klimawandel, Artensterben und Plastikverschmutzung konfrontiert. Themen, die groß und überwältigend wirken, gerade in jungen Jahren. Schnell wirkt es ernüchternd: Insekten verschwinden, Böden verarmen, Ökosysteme kippen. Oft klingt das katastrophal, wird von Medien und Politik meiner Meinung nach zu düster gezeichnet und lässt wenig Hoffnung auf Veränderung.
Ich möchte diese Probleme nicht klein reden, im Gegenteil, in diesem Post werde ich Studien und Artikel vorstellen, die genau das dokumentieren. Gleichzeitig will ich den Fokus aber auf positive Ansätze und Lösungen richten. So bin ich zur Permakultur gekommen: ein Konzept, das zeigt, wie wir aktiv regenerativ und lösungsorientiert handeln können.
Warum unser Umgang mit Ökosystemen nicht mehr funktioniert
Ob im Regenwald, auf dem Acker oder in der Stadt, menschliche Aktivitäten hinterlassen überall ihre Spuren in der Biodiversität. Gemeint ist damit die Vielfalt des Lebens: die Unterschiede innerhalb von Arten, die Vielzahl der Arten selbst und das Zusammenspiel ganzer Ökosysteme [1]. Doch diese Vielfalt schwindet nicht einfach still und leise. Vielmehr befindet sie sich im Wandel. Arten verschwinden aus vertrauten Lebensräumen, tauchen andernorts neu auf oder breiten sich plötzlich stark aus. Der Verlust einzelner Arten ist dabei nur ein Teil der Geschichte. Mindestens ebenso entscheidend ist die Frage, welche Arten künftig wo leben, und wie sich dadurch ganze Ökosysteme verändern [2].
Landökosysteme: Biodiversität global, Wildtierbestände, Landwirtschaft
Ökosysteme mit menschlichem Einfluss weisen im Durchschnitt rund 18 % weniger Arten auf lokaler Ebene auf als vergleichbare, wenig beeinflusste Referenzökosysteme [2].
Laut dem WWF Living Planet Report 2024 sind die durchschnittlichen Bestände landlebender und wilder Wirbeltiere in den letzten 50 Jahren um 73 % zurückgegangen. Hauptursache: Verlust und Zerstörung von Lebensräumen, vor allem verursacht durch unser globales Nahrungssystem, gefolgt von Übernutzung, invasiven Arten und Krankheiten [7].
Wasserökosysteme: Süßwasser-Biodiversität
Süßwasserökosysteme beherbergen rund ein Drittel aller Wirbeltierarten, obwohl sie nur einen kleinen Teil der Erdoberfläche ausmachen. Diese Biodiversität nimmt deutlich schneller ab als in terrestrischen oder marinen Systemen. Daraus ergeben sich ganz spezifische Bedrohungen für die Süßwasserbiodiversität [6]:
- Ungeregelte Nutzung von Wasser und Ressourcen
- Verschlechterung der Wasserqualität
- Zerstörung und Fragmentierung von Lebensräumen
- Einschleppung und Ausbreitung nicht‑einheimischer Arten
- Gestörte Flussverbindungen und Dämme
Treiber und Querschnittsthemen: Invasive Arten, Insektenrückgang
Der IPBES‑Bericht zeigt, dass invasive gebietsfremde Arten nicht nur ein Umweltproblem, sondern ein globales sozio‑ökonomisches Risiko sind – mit Tausenden Arten, enormen Kosten und starken negativen Auswirkungen auf Biodiversität, Ökosystemleistungen und menschliche Lebensgrundlagen [4].
Laut Sánchez & Wyckhuys (2019) könnte bis zu 40 % der weltweiten Insektenarten in den kommenden Jahrzehnten aussterben, wenn die treibenden Faktoren, vor allem Habitatverlust, intensiver Pestizideinsatz, Verschmutzung und Klimawandel, nicht angegangen werden. Diese Entwicklung bedroht nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung und Nährstoffkreisläufe [5].
Besonders betroffen sind:
- Lepidoptera (Schmetterlinge)
- Hymenoptera (Bienen, Wespen, Ameisen)
- Dung‑Beetles (Käfer)
Da Insekten Schlüsselrollen spielen (z. B. Bestäubung, Nährstoffkreisläufe, Schädlingskontrolle), haben ihre Verluste weitreichende Auswirkungen auf Ökosystemfunktionen und menschliche Ernährungssysteme [5].
Was Permakultur anders macht
Permakultur, so wie ich es verstehe, ist kein Gartenstil oder Öko-Trend, sondern ein grundsätzlicher Ansatz das Leben zu gestalten. Die Kernidee, ursprünglich entworfen von Bill Mollison den 1980er Jahren, ist ein Designsystem, das nachhaltige Lebensräume schafft. Dadurch, dass es natürliche Ökosysteme nachahmt. Ziel ist, Produktion, Energiefluss und Kreisläufe so zu gestalten, dass sie dauerhaft, ressourcenschonend und selbst regulierend sind [3].
Im Grunde adressiert dieser Ansatz sämtliche Probleme unserer Ökosysteme, die ich oben beschrieben habe. Es geht um Wiederaufforstung der Erde, Gesundung der Böden, Sorge für die Umwelt und Tiere, effiziente Resourcennutzung und darum mit möglichst wenig Eingriff einen möglichst hohen Impact zu haben [3].
Beispiel: Der permakulturelle Teich
Was Mollison beschreibt:
Ein Teich im Garten ist nicht nur ein dekoratives Element, er wird als multifunktionales System gestaltet, das mehrere Probleme gleichzeitig löst.

Funktionen des Teichs nach Permakultur:
- Wasser speichern: Regen- und Oberflächenwasser wird aufgefangen.
- Lebensraum schaffen: Fische, Frösche, Insekten und Wasserpflanzen leben darin, was die Biodiversität erhöht.
- Nährstoffe recyceln: Pflanzen im und am Teich filtern Nährstoffe und halten das Wasser sauber.
- Klimaregulation: Wasser speichert Wärme, kühlt die Umgebung, reduziert Frostschäden in angrenzenden Beeten.
- Energiefluss nutzen: Sonnenlicht erwärmt das Wasser, Pflanzen und Tiere interagieren ohne großen Arbeitsaufwand.
Warum das anders ist:
- Ein konventioneller Garten würde oft ein einfaches Becken oder künstliche Dekoration einsetzen, Permakultur nutzt jedes Element für mehrere Zwecke.
- Es zeigt das Prinzip „jede Funktion mehrere Elemente, jedes Element mehrere Funktionen“, das Mollison als Herzstück der Permakultur beschreibt.
Kurz gesagt: Der Teich ist nicht nur Wasser, sondern ein Mini‑Ökosystem, das Nahrung liefert, Energie spart, Biodiversität unterstützt und das Klima reguliert – alles gleichzeitig. Genau so denkt Permakultur: mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie.
Warum ich persönlich Permakultur lerne und diesen Weg teile
Ich lerne Permakultur, weil mich die Idee fasziniert, mit der Natur statt gegen sie zu arbeiten. In unserer digitalen Welt und den großen Städten fühle ich oft, wie sehr wir den Bezug zur Natur verlieren. Wir sind disconnected von den Kreisläufen, die unser Leben eigentlich tragen. Permakultur gibt mir die Möglichkeit, zurück zur Natur zu kommen, selbst Lebensmittel anzubauen und Lebensräume bewusst zu gestalten, die nachhaltig und resilient sind.
Ich teile mein Wissen, weil ich hoffe, andere zu inspirieren, praktische Wege zu entdecken, die Umwelt zu schützen und gleichzeitig Freude am Gärtnern oder Gestalten von Lebensräumen zu haben. Für mich ist Permakultur weniger ein Konzept, sondern ein Werkzeug, um Alltag, Garten und Gemeinschaft wieder bewusster und naturnäher zu gestalten.
Literatur
[ 1 ] FAO. 2019. The State of the World’s Biodiversity for Food and Agriculture, J. Bélanger & D. Pilling (eds.). FAO Commission on Genetic Resources for Food and Agriculture Assessments. Rome. 572 pp (http://www.fao.org/3/CA3129EN/CA3129EN.pdf)
[ 2 ] Keck, F., González-Suárez, M., Santini, L., Schipper, A.M., & Purvis, A. (2025). The global human impact on biodiversity. Nature, 625(7954), 180–187. https://doi.org/10.1038/s41586-025-08752-2
[ 3 ] Mollison, B. (2021). Permakultur konkret: Entwürfe für eine ökologische Zukunft (P. Henningsen, Übers.; Illustriert von M. Schneevoigt). Pala‑Verlag.
[ 4 ] Roy, H. E., Pauchard, A., Stoett, P., Truong, T. R., Bacher, S., Galil, B. S., Hulme, P. E., Ikeda, T., Sankaran, K. V., McGeoch, M. A., Meyerson, L. A., Nuñez, M. A., Ordonez, A., Rahlao, S. J., Schwindt, E., Seebens, H., Sheppard, A. W., & Vandvik, V. (2023). IPBES Invasive Alien Species Assessment: Summary for Policymakers (Version 2). Intergovernmental Science‑Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES). https://doi.org/10.5281/zenodo.8314303
[ 5 ] Sánchez‑Bayo, F., & Wyckhuys, K. A. G. (2019). Worldwide decline of the entomofauna: A review of its drivers. Biological Conservation, 232, 8–27. https://doi.org/10.1016/j.biocon.2019.01.020
[ 6 ] Tickner, D., Opperman, J., Abell, R., Acreman, M., Arthington, A., Bunn, S. E., Cooke, S. J., Darwall, W., Edwards, G., Harrison, I., Hughes, K., Jones, T., Leclere, D., Lynch, A., Leonard, P., McClain, M., McIntyre, P., Muruven, D., Olden, J. D., … Young, L. (2020). Bending the curve of global freshwater biodiversity loss: An emergency recovery plan. BioScience, 70(4), 330‑342. https://doi.org/10.1093/biosci/biaa002
[ 7 ] WWF. (2024, Oktober). Living Planet Report 2024: Dramatischer Rückgang der Wildtierbestände weltweit. WWF Deutschland. https://www.wwf.de/2024/oktober/wwf-living-planet-report-zeigt-dramatischen-rueckgang-der-wildtierbestaende-weltweit

